Daseinsvorsorge: Remseck im Ranking
Es ist schon ca. 15 Jahre her: Damals kriselte es auch bei den Remsecker Finanzen und die FDP Fraktion machte allerlei Sparvorschläge, die von der Verwaltung immer wieder mit der Argumentation „Aufgabe X gehört zur Daseinsvorsorge“ abgeschmettert wurden. Die Verwaltung benutzte „Daseinsvorsorge“ faktisch als Synonym für „kommunale Pflichtaufgabe“, wo kein Sparen möglich sei. Unsere Nachfrage beim Regierungspräsidium, was denn unter „kommunaler Daseinsvorsorge“ zu verstehen sei, erhielt eine recht arrogante, aber auch entlarvende Antwort: „Daseinsvorsorge ist alles, was der Gemeinderat als Daseinsvorsorge definiert.“ Das Institut der Deutschen Wirtschaft ist es letzte Woche etwas grundsätzlicher angegangen und hat eine Studie über alle 10.817 Gemeinden in Deutschland bezüglich der Daseinsvorsorge vorgelegt: Anhand von 17 Indikatoren in fünf Bereichen wurde versucht, Daseinsvorsorge objektiv vor allem durch die Erreichbarkeit von Einrichtungen zu fassen: Digitales (Mobilfunkabdeckung, Breitbandverfügbarkeit), Gesundheit (Erreichbarkeit von Hausärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Pflegeeinrichtungen), Mobilität (Qualität von Brücken, Verbindungen Schienenregionalverkehr, Anbindung an Autobahn und Flughafen), Freizeit (Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern, Museen) und Bildung (Erreichbarkeit von Grundschulen, weiterführende Schulen, Gymnasien, Versorgung mit Kitas). Aus den Indexwerten der fünf Bereiche wurde, ergänzt durch eine repräsentative Befragung, ein Gesamtrang ermittelt. Das ist natürlich ein subjektiver Zugriff, aber eben auch ein interessanter Versuch, objektive Werte der Erreichbarkeit von bestimmten – subjektiv ausgewählten – Einrichtungen mit subjektiven Werten durch Befragungen zu koppeln. Die Untersuchung macht keine Aussage über die Qualität der Einrichtungen, es geht nur um die Erreichbarkeit. D.h. wenn schlechte Angebote gut erreichbar sind, ist alles in Ordnung. Insofern ist die Studie mit Vorsicht zu genießen.
Remseck belegt in der Untersuchung Rang 1.352 von 10.817 – insgesamt fällt Remseck damit noch in den sehr guten Bereich unter den deutschen Gemeinden, d.h. die Versorgung mit Infrastruktur in den fünf Bereichen funktioniert hier, auch wenn nicht alles direkt in der Stadt angeboten wird. Den höchsten Wert erreicht unsere Stadt im Bereich Bildung (1.019), den schlechtesten im Bereich Mobilität (3.974). Letzteres verwundert nicht. Mit Rang 2.409 im Freizeitbereich tendiert Remseck hier zum unteren gut. Das ist aber eher dem Untersuchungszugriff geschuldet, der „Freizeit“ einfach messbar durch die „Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern, Museen“ definiert. Interessant auch der gute Wert 1.684 bei Gesundheit, wird doch in Remseck oft über die Ärzteversorgung geklagt. Es gibt sie und Kliniken aber in nächster Nachbarschaft. Um auf Gemeinden mit schlechter Daseinsvorsorge zu treffen, muss man nicht erst nach Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg schauen: Auch im Ostalbkreis, im Kreis Schwäbisch Hall, im Kreis Reutlingen oder im Kreis Calw gibt es Kommunen, die in den Rängen nach 9.000 platziert sind. Insofern können wir Remsecker ganz zufrieden sein. Nicht überraschend ist, dass die objektiven Erreichbarkeitswerte durch die Menschen durchaus unterschiedlich bewertet werden. So gebe es Befragte, die mit einem „Pessimismusfilter“ auf die Lage schauen. „Entscheidend sind nicht nur die tatsächlichen öffentlichen Angebote, sondern vielmehr wie diese wahrgenommen werden“, fasst die Studie relativierend zusammen. Es sollte ergänzt werden: „… wie die objektive Qualität ist“. Dass die meisten Gemeinden im Ruhrgebiet vor Remseck rangieren, wirft dann doch eher Fragen auf. Unter www.iwkoeln.de findet man die gesamte Untersuchung.
Foto: Glasfaser als Teil der Daseinsvorsorge
Mit freidemokratischen Grüßen
Kai Buschmann www.fdp-remseck.de, E-Mail:
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für die FDP Fraktion / FDP Stadtverband




